Warum 3D-gedrucktes mehr kostet als "nur ein bisschen Filament"

Warum 3D-gedrucktes mehr kostet als "nur ein bisschen Filament"

Wenn du im Tabletop- oder 3D-Druck-Bereich unterwegs bist, hast du diesen Satz ziemlich sicher schon einmal gehört:
Die Datei gibt’s doch kostenlos zum Download… warum kostet das Modell dann so viel? Das Filament kostet doch nur ein paar Euro!
Auf den ersten Blick klingt das plausibel. Wenn man nur das Material gegen den Verkaufspreis rechnet, wirkt ein gedrucktes Modell tatsächlich teuer. Aber genau hier liegt der Denkfehler. Das ist ungefähr so, als würde man sagen:
Warum kostet ein bemalter Warhammer-Trupp so viel? Die Farbe kostet doch nur 3€.
Der Preis eines professionell gedruckten Geländestücks hat ungefähr so viel mit dem Filamentpreis zu tun wie der Preis eines fertigen Tabletop-Tisches mit dem Preis eines einzelnen Grasbüschels.

Oder anders gesagt: Das Material ist der kleinste Teil der Geschichte.

Also schauen wir uns einmal an, was wirklich hinter einem professionell hergestellten 3D-gedruckten Terrain-Teil steckt.

Der "Filament kostet nur 3€"-Mythos

Die typische Rechnung sieht ungefähr so aus:
  • Modell = 200 g Filament
  • 1 kg Filament = 20€
  • Materialkosten = 4€
Also müsste das Modell vielleicht 8–10€ kosten. Klingt logisch. Funktioniert aber nur, wenn:
  • deine Arbeitszeit nichts wert ist
  • der Drucker keinen Verschleiß hat
  • Strom kostenlos ist
  • keine Plattformgebühren existieren
  • du keine Steuern zahlst
  • keine Fehldrucke passieren
  • du keine Verpackung brauchst
  • du keinen Support anbietest
  • du keine Lizenzgebühren zahlst
Kurz gesagt: Das ist die Rechnung eines Hobbydruckers, nicht die eines Unternehmens.

Steuern und Plattformgebühren: der erste Dungeonboss

Wenn du etwas online kaufst, sieht der Verkäufer vom Verkaufspreis nur einen Teil. Ein Beispiel bei einem typischen Onlineverkauf:
  • 19 % Mehrwertsteuer gehen direkt an den Staat
  • ca. 15–16 % Plattformgebühren (z. B. Etsy, Amazon, ...)
  • zusätzliche Zahlungsgebühren
Das bedeutet, dass noch bevor überhaupt ein Drucker eingeschaltet wurde, ist ein Drittel des Verkaufspreises bereits verschwunden.

Oder anders gesagt: Der Staat und die Plattform haben bereits Loot gezogen, bevor der eigentliche Dungeon überhaupt begonnen hat.

Die Datei ist kostenlos! Lizenzrecht sagt etwas anderes

Ein weiterer häufiger Irrtum betrifft STL-Dateien. Viele Modelle sind zwar kostenlos downloadbar, aber kostenlos bedeutet nicht automatisch, dass man sie verkaufen darf.
Die meisten Designer veröffentlichen ihre Dateien unter Non-Commercial Lizenzen oder kommerziellen Partnerprogrammen. Das bedeutet, dass ein Händler regelmäßig Lizenzgebühren zahlt, um diese Modelle legal verkaufen zu dürfen. Ohne diese Lizenz ist der Verkauf schlicht illegal.

Viele Käufer wissen das nicht und viele Verkäufer ignorieren es leider bewusst. Das schadet auch den Designern und damit unserer Hobby-Gemeinschaft!

Oder anders gesagt: Nur weil du einen Zauberspruch kennst, heißt das noch lange nicht, dass du ihn auch wirken darfst.

Produktionskosten: Drucker arbeiten nicht aus Liebe zum Hobby

Ein professioneller Druckservice hat viele laufende Kosten:
  • Strom
  • Maschinenverschleiß
  • Ersatzteile
  • Wartung
  • Druckerfarm-Hardware
  • Software
  • Fehldrucke
  • Verpackungsmaterial
  • Versandmaterial
  • Lagerfläche
Ein einzelner Druck kann 10 bis 40 Stunden dauern und Drucker laufen selten einzeln, oft stehen ganze Druckerfarmen dahinter. Wenn eine Maschine 20 Stunden druckt, arbeitet sie nicht nur, sie verschleißt auch. Düsen, Lüfter, Filter, Riemen, Lager und Druckplatten müssen regelmäßig ersetzt werden.

Resin-Druck: eine ganz andere Kostenklasse

Besonders bei Resin-Miniaturen wird der Aufwand massiv unterschätzt. Hier kommen zusätzlich dazu:
  • Waschstationen
  • Isopropanol oder andere Reinigungsmittel
  • UV-Nachhärtung
  • Schutzkleidung
  • Handschuhe
  • Filter
  • Entsorgung von Restharz
  • regelmäßiger Austausch von FEP-Folien
  • Austausch von Displays
Außerdem entsteht deutlich mehr Nachbearbeitung, Miniaturen müssen gewaschen, gehärtet, Supports entfernt, kontrolliert und aufwändiger verpackt werden. Auch hier gilt Zeit als Haupt-Kostenfaktor.

Qualitätskontrolle: der Teil, den niemand sieht

Ein seriöser Händler verschickt keine Fehldrucke. Das bedeutet, dass jedes Teil geprüft wird auf Druckfehler, Warping, beschädigte Details, Supportreste, Stabilität, ... . Fehldrucke landen im Müll. Auch das gehört zur Kalkulation.

Marketing, Produktentwicklung und Fotos

Ein Punkt, der komplett unterschätzt wird. Produkte verkaufen sich nicht von selbst. Bevor du Produkte überhaupt kaufen kannst, passiert oft Folgendes:
  • Auswahl geeigneter Designs
  • Testdrucke
  • Anpassung der Druckeinstellungen
  • Zusammenstellung von Sets
  • Produktgestaltung
  • Schreiben der Produktbeschreibung
  • Fotografieren der Modelle
  • Bildbearbeitung
  • Shop-Einrichtung
  • Social-Media-Marketing
  • Kundenservice
Gerade gute Produktfotos sind enorm aufwendig. Terrain wird oft aufgebaut, beleuchtet, fotografiert und nachbearbeitet nur damit du genau sehen kannst, was du bekommst. Das alles gehört ebenfalls zu den Kosten eines Produkts.

Der Hobbydrucker-Markt und die Preisillusion

Ein weiteres Problem im 3D-Druck-Markt ist, dass viele aus ihrem Hobby heraus verkaufen. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes, im Gegenteil. Das Problem entsteht, wenn nicht richtig kalkuliert wird. Viele rechnen nur Material und bisschen Strom. Arbeitszeit, Verschleiß, Steuern oder Plattformkosten werden oft nicht berücksichtigt.

Das Ergebnis: Der Verkäufer verkauft zwar Modelle, verdient aber nichts oder zahlt sogar drauf.

Das erzeugt eine Preisillusion im Markt. Kunden sehen sehr niedrige Preise und denken: "Das muss doch der normale Preis sein." In Wirklichkeit ist es oft einfach nur nicht wirtschaftlich kalkuliert.

Die Sache mit den absurden Rabatten

Man sieht im Internet inzwischen auch Rabatte von 50%, teilweise sogar 75%. Für kleine Unternehmen ist das schlicht nicht realistisch. Solche Rabatte funktionieren nur, wenn Preise vorher künstlich erhöht wurden oder der Verkauf ohnehin nicht kostendeckend ist. Für kleine Hersteller oder Druckservices sind solche Aktionen schädlich.

Warum kleine Hersteller manchmal teurer wirken als große Firmen

Ein interessanter Vergleich entsteht oft mit großen Herstellern. Viele fragen sich warum ein 3D-gedrucktes Modell ähnlich viel kostet wie ein Plastikmodell eines großen Herstellers. Der Unterschied liegt nicht nur in der Produktion, sondern im Umsatzvolumen. Große Firmen wie Games Workshop haben:
  • riesige Produktionsanlagen
  • Spritzgussformen für hunderttausende Modelle
  • weltweiten Vertrieb
  • enorme Stückzahlen
  • Produktion in Billiglohnländern
Je größer die Stückzahl, desto günstiger wird die Produktion pro Teil. Ein kleiner 3D-Druck-Hersteller produziert dagegen:
  • kleine Serien
  • teilweise Einzelstücke
  • mit deutlich mehr manueller Arbeit
Das bedeutet, dass der Stückpreis trotz moderner Technik höher wirken kann. Nicht weil die Produktion ineffizient ist, sondern weil die Skalierung völlig anders ist.

Am Ende bleibt noch etwas übrig ... hoffentlich

Wenn alle Kosten abgezogen sind (Steuern, Plattformgebühren, Lizenzen, Maschinen, Material, Verpackung, Marketing, Arbeitszeit) bleibt idealerweise noch ein kleiner Teil übrig. Das nennt man dann Gewinn. Und ja: auch dieser wird auch noch versteuert.

Dieser Gewinn ist letztlich das, was einem Unternehmen erlaubt:
  • neue Drucker zu kaufen
  • bessere Materialien zu nutzen
  • neue Designs zu lizenzieren
  • weiterhin Terrain und Miniaturen zu produzieren

Selbst drucken vs. kaufen

Natürlich bleibt eines absolut richtig, wenn du selbst einen 3D-Drucker hast, kannst du deutlich günstiger produzieren. Und das ist auch ein großartiger Teil des Hobbys. Aber nicht jeder möchte Drucker kalibrieren, Fehldrucke entsorgen, Resin reinigen, 30-Stunden-Drucke überwachen, Drucker reparieren, ... . Schnell kann sich 3D-Drucken zum eigenen Hobby entwickeln oder viel Frust erzeugen.

Manche möchten einfach auspacken und sofort spielen und genau dafür gibt es professionelle Druckservices.

Fazit

Der Preis eines 3D-gedruckten Modells besteht aus vielen Faktoren:
  • Material
  • Maschinen
  • Strom
  • Verschleiß
  • Lizenzgebühren
  • Plattformgebühren
  • Steuern
  • Marketing
  • Produktfotografie
  • Arbeitszeit
  • Qualitätskontrolle
  • Versand

Das Filament oder Resin ist dabei nur ein kleiner Teil. Oder wie man im Tabletop sagen würde:

Das Material ist nur die Base, das eigentliche Spiel passiert darüber.
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